Think Tank Session: Cross-Industry Innovation – Neue Chancen und Instrumente

Wo entstehen die Märkte und Gewinne der Zukunft? 3. FIZ Life Sciences Forum 2011
Welche neuen Innovationsmethoden gibt es und wie integrieren Sie diese in Ihre Organisation?

Antworten auf diese Schlüsselfragen finden Sie nicht innerhalb der klassischen Systemgrenzen.

Das FIZ Frankfurter Innovationszentrum lädt Sie daher ein zu einer exklusiven Session mit dem Ernst & Young Global Business Performance Think Tank auf dem 3. FIZ Life Sciences Forum.

In der Gesundheitswirtschaft müssen zukünftig neue Branchen integriert werden. Im Mittelpunkt steht deshalb die Frage, wie neue Markterfolge an den Branchenschnittstellen erzielt werden können.

Im direkten Austausch mit Experten, Ideengebern und Entscheidern erhalten Sie Einblicke in neue Methoden der Innovationspraxis. In außergewöhnlichem Format diskutieren wir mit Ihnen Themen wie Open Innovation, Cross-Industry Innovation, Collaboration und Ideenmanagement.

Ministerpräsident Volker Bouffier wird persönlich mit einem Grußwort das FIZ Life Sciences Forum 2011 eröffnen. Bereits am Vorabend begrüßt Sie in einer Dinner-Speech Dr. Georg Debus, Deutschland-Chef von InnoCentive Inc., der weltweit führenden Open Innovation-Plattform.

Wir freuen uns auf einen spannenden Austausch mit Ihnen!

Open Innovation in Life SciencesForschungsintensiv und zukunftsträchtig, so lässt sich die Life Sciences-Branche beschreiben. Dennoch ergeben sich Risiken aus der steigenden Umweltkomplexität, dem Kostendruck, den immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen und damit einhergehend den leeren Produktpipelines. Eine Möglichkeit diese Risiken zu senken, ist der Open Innovation-Ansatz, der besonders kleinen und mittleren Life Sciences-Unternehmen Wachstumschancen eröffnet.

Diese Problematik der Life Sciences-Branche war Ausgangspunkt des Verbundprojektes „Open Innovation in Life Sciences (OIL)“, welches von Mai 2008 bis April 2011 an der Universität Potsdam durchgeführt wurde. Ein Ergebnis dieses Projektes möchte ich an dieser Stelle empfehlen: den Leitpfaden „Philo: PharmaInnovationsLotse ; ihr Weg zum erfolgreichen Open Innovation Management“.

Zusammen mit drei mittelständischen Pharmaunternehmen und einem Team unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Dieter Wagner wurden Konzepte für die Weiterentwicklung und Öffnung des Innovationsmanagements erarbeitet, die anschließend für die gesamte Life Sciences-Branche Anwendungen finden sollen. Genanntes Ziel war die Entwicklung eines systematischen Open Innovation-Prozesses für Klein- und mittelständische Unternehmen der Life Sciences-Branche unter Einbeziehung des Coupled-Prozess. Dieser stellt eine Mischung aus dem Outside-In-Prozess und dem Inside-Out-Prozess dar, d.h. externes Wissen wird internalisiert und internes Wissen externalisiert. Von besonderer Bedeutung für den Coupled-Prozess sind hierbei Partnerschaften mit anderen Unternehmen und Organisationen.

Der Open Innovation-Ansatz verspricht neue Gestaltungs- und Wachstumsmöglichkeiten für die Unternehmen der Life Sciences-Branche. Besonders die Pharmaindustrie zeichnet sich durch eine steigende Komplexität der Innovationsprozesse aus und tendiert immer mehr zur Kooperation. Open Innovation, sprich die Öffnung der Innovationsprozesse sowie die Einbindung des Unternehmensumfelds, kann als bedeutsamer Erfolgsfaktor für die zukünftige Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit beschrieben werden.

Allerdings halten die Forscher des OIL-Projektes in ihren Ergebnissen fest, dass in KMUs das Innovationsmanagement noch weitgehend unstrukturiert abläuft, der Open Innovation-Prozess aber – sofern er strategisch richtig umgesetzt wird – neue Wachstumsmöglichkeiten (insbesondere im Generika- und Over-the-Counter-Segment) bieten kann.

Wie so ein geeignetes Innovationsmanagement implementiert werden kann, wird in diesem Leitfaden dargestellt. Der Leitfaden richtet sich an Innovationsmanager aus dem Life Sciences-Mittelstand und verdeutlicht, wie von der Ideenphase, über die Projekt- bis hin zur Produktions- und Vermarktungsphase ein operatives Projektmanagement bei der Umsetzung von Open Innovation Management-Methoden nutzen kann.

Der Leitfaden von den Autoren Silvia Adelhelm, Andreas Braun, Elisabeth Müller und Gergana Vladova „Philo: PharmaInnovationsLotse; Ihr Weg zum erfolgreichen Open Innovation Management” kann unter http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2011/5089/ heruntergeladen werden.

Informationen zum Projekt finden Sie unter: http://www.oil.ceip.de

„Der Elefant und die Innovation“

Lassen Sie mich einen Gedanken vorweg stellen. Ist es nicht verwunderlich, dass auch heute noch oft der Vergleich zur alten indischen Geschichte der blinden Männer und des Elefanten gezogen werden kann? Jeder Einzelne nimmt einen Teil des Elefanten wahr und zieht seine Schlüsse daraus, was sich vor ihm befindet. Das große Ganze erkennt keiner von ihnen. Frei interpretiert könnte man auch sagen, dass jeder sich mit einem thematischen Teilaspekt beschäftigt und durch eine mangelnde Kooperation beziehungsweise auch durch fehlenden Kooperationswillen, das Wesentliche nicht erfasst werden kann.
Blinde Menschen und ein Elefant

Die Konferenz „Branchenübergreifende Innovation im Spannungsfeld alter und neuer Märkte – Warum sich Unternehmen öffnen müssen“ beschäftigte sich im Rahmen der zweiten Frankfurt Global Business Week unter anderem exakt damit, dass die Innovationsfähigkeit von Unternehmen zunehmend auch von ihrer Kooperationsfähigkeit beeinflusst wird. Am Beispiel der Gesundheitswirtschaft wurden Innovationen an den Schnittstellen von Life Sciences, Ernährung, Fitness und Informationstechnologie diskutiert. Die Frankfurt Global Business Week bot vom 16. – 20. Mai 2011 Interessierten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung eine große Bandbreite an wirtschaftlich aktuellen Themenkonferenzen, die parallel stattfanden. Hierbei lag der Fokus vermehrt auf der Wettbewerbsfähigkeit und den Standortfaktoren der Region Frankfurt Rhein-Main. Innerhalb der Konferenz „Branchenübergreifende Innovation im Spannungsfeld alter und neuer Märkte“ wurden die Panels durch Beiträge renommierter internationaler Referenten bereichert. So trugen vor und diskutierten Vertreter der Symrise AG, London Business School, IBM Deutschland GmbH, Microsoft Health Solutions Group und der in Frankfurt ansässigen Fitness First Germany GmbH, Interxion Deutschland GmbH, DB Research, bio.logis GmbH.

Dass eine entsprechende Infrastruktur wesentlich für die Entstehung von Innovationen ist, war Basis einiger Vorträge. Infrastruktur umfasst in diesem Sinne sowohl die digitale Infrastruktur als auch die politische Offenheit gegenüber Innovationen. Die Referenten und Teilnehmer sprachen darüber, dass nicht nur die Politik fördernd denken und handeln sollte, sondern, dass auch innerhalb der Unternehmen es ohne die Bereitschaft, einen beständigen Innovationsprozess in der Unternehmenskultur zu verankern, nicht zur erfolgreichen Umsetzung kommen kann.

Petra Roth und Christian GarbeCross-Innovation Wand für Visitenkarten

Während der Diskussion wurde deutlich, dass die Umsetzung in zweierlei Hinsicht erfolgen kann. Zunächst müssen die gedanklichen Grenzen überwunden werden – bei den einzelnen Personen, Unternehmen und zwischen den verschiedenen Branchen. Die Unternehmen dürfen nicht stehen bleiben. Denn wer stehen bleibt und es demnach keine Entwicklung mehr gibt, ist tot. Ein schlichter biologischer Grundsatz, angewendet auf die Geschäftswelt. Der zweite Teil der Umsetzung ist die Markteinführung der jeweiligen Innovation, die wiederum gekoppelt ist mit der Infrastruktur vor Ort.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Entwicklung, die im Englischen „empowering patients“ genannt wird. Der Zugang zu Informationen ist für den Einzelnen sehr wichtig und immer mehr Privatpersonen nutzen die modernen technischen Möglichkeiten, sich zu informieren. So können Menschen, die keine relevante Fachausbildung genossen haben, zu sehr gut informierten und interessierten Patienten/Kunden werden, die gemeinsam mit den Experten des Fachs individuellere Gesundheitsentscheidungen treffen können. Durch die Zusammenarbeit der Fachleute und Privatpersonen kann ein personalisiertes Gesundheitsmanagement entstehen. Hier kommt der Austausch zwischen den verschiedenen Interessensgruppen ins Spiel. Ist eine effektive Kommunikation auf Vertrauensbasis vorhanden, kann viel Zeit und Geld gespart werden, kann also auch die Innovation viel schneller zur Marktreife heranwachsen. Mit hinein spielen oft auch die ‚Social Networks‘, wie Facebook und Twitter. Anwender nutzen diese Tools im Idealfall, um sich zu informieren, auszutauschen und aktuelle Trends zu diskutieren. So können Ideen und Denkanstöße generiert werden, in Echtzeit und international. Von der Global Business Week berichtete das FIZ zum ersten Mal live über Twitter, um Nichtanwesenden die Möglichkeit zu bieten, die Veranstaltung zu verfolgen.

Diskussionsteilnehmer der Global Business Week
Die Geschichte vom Elefant und Innovationen – was haben sie folglich gemeinsam? Angewandt auf die moderne Geschäftswelt, dass verschiedene Branchen zusammenwirken sollten, um ein Umfeld zu schaffen, welches der Nährboden für Innovationen ist. Es muss eine Kombination von Fähigkeiten, Technologien und Praxiswissen in den Unternehmen entstehen, branchenübergreifend sowie gedankenübergreifend. Der Austausch mit Privatpersonen inbegriffen. Intelligente Netzwerke sind daher von großer Bedeutung um das wertvolle Innovationpotenzial auszuschöpfen. Der berüchtigte Blick über den Tellerrand, der Mut, sich nach außen zu öffnen und ein offenes Netzwerk aufzubauen, dies können Voraussetzungen für eine effektive Weiterentwicklung der Unternehmen sein.
In kurzen Interviews gingen die Referenten auf die Fragen ein, wie beispielsweise die Zusammenarbeit von Pharmaunternehmen mit Fitness- und Nahrungsmittelherstellern aussehen könnte oder was vorhanden sein muss, damit Unternehmen in Netzwerken zusammenarbeiten und bereit sind, gemeinsam an Innovationen zu arbeiten.

Programm Global Business Week

Programm Global Business Week

Open Innovation, Cross-Industry Innovation, Crowdsourcing – Auf diese Begrifflichkeiten sind wir in unserem letzten Blogbeitrag eingegangen.

Nachdem dabei der Schwerpunkt auf der Einbindung von Social Media in die Innovationsprozesse von Unternehmen lag, möchten wir vertieft auf die Frage eingehen, weshalb Unternehmen ihre Innovationsprozesse öffnen sollten. Wie gehen Unternehmen dabei vor? Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich? Weshalb entstehen Innovationen zunehmend aus Kooperationen? Welche Prozesse stecken dahinter?

Am Beispiel der Gesundheitswirtschaft gehen wir diesen Fragen am Mittwoch, dem 18. Mai 2011 nach – auf der Konferenz „Branchenübergreifende Innovation im Spannungsfeld alter und neuer Märkte – Warum sich Unternehmen öffnen müssen“. Die Konferenz findet im Rahmen der Frankfurt Global Business Week in der IHK Frankfurt am Main statt.

Wie der Name der Konferenz bereits verrät, ist die Bandbreite der Referenten vielfältig und reicht über die Branchen Life Sciences, Fitness, Ernährung und IT bis hin zur Innovationsforschung. Unter den Sprechern sind unter anderem die London Business School und die DB Research, bio.logis, IBM, Interxion, Fitness First Germany, Microsoft und Symrise.

Wir würden uns freuen, unsere Blog-Leser auf der Konferenz zu begrüßen. Wer keine Zeit hat, die Veranstaltung persönlich zu besuchen, ist eingeladen, unserem Live-Bericht über Twitter (@FIZGmbH) unter dem Hashtag #FIZGBW zu folgen.

Das Anmeldeformular finden Sie hier.

Ein Resümee der Konferenz wird hier auf unserem Blog nach der Global Business Week veröffentlicht.

Die Diskussionen um die Anwendungsvielfalt von Social Media für Unternehmen reißen nicht ab. Neue Kommunikationsmöglichkeiten, engerer Kundenkontakt, neue Vertriebswege – kaum ein modernes Medium vereint so viele Einsatzgebiete und verspricht so viele Vorteile. Das Engagement im Web 2.0 – oder konkreter: dem Social Web – ist für viele Unternehmen an der Tagesordnung, um Präsenz in der niemals still stehenden Online-Kommunikation zu zeigen und nah am (potenziellen) Kunden zu sein.

Doch viel zu häufig werden Social Media als einseitiger Kommunikationskanal verstanden, der darüber hinaus keinen Mehrwert schafft. Noch viel zu wenig Unternehmen sind bereit, sich vollständig zu öffnen und auch ihren Innovationsprozess mit Hilfe der Web 2.0 Technologien zu gestalten. Die allgemeine Öffnung des Innovationsprozesses nach außen, um interne als auch externe Ideen bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen zu nutzen, bezeichnet Henry Chesbrough, Professor an der UC Berkeley, als Open Innovation.

Eine einfache, schnelle und kostengünstige Möglichkeit, das Prinzip der Open Innovation online umzusetzen, ist, seine Kunden und Interessenten zu ihren Wünschen und Bedürfnissen durch Social Media zu befragen und ihre Ideen bei der (Weiter-)Entwicklung der eigenen Produkte zu berücksichtigen. Man kann jedoch auch so weit gehen, ganze Fragestellungen und Aufgaben, mit denen sich die Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung beschäftigen, an eine große Gruppe von Menschen oder die eigene Community zu richten, um von deren Ideen und Lösungsvorschlägen zu profitieren. Crowdsourcing nennt Jeff Howe diese Form des Outsourcens von Aufgabenstellungen durch Nutzung von Webdienst-Technologien zur Weiterentwicklung von Produkten. Als Customer-Co-Creation bezeichnet man den Aspekt der Zusammenarbeit mit externen Kunden und Partnern, bei der völlig neue Innovation hervorgebracht werden sollen.

Was hier so einfach klingt, setzt allerdings einige Rahmenbedingungen voraus, auf die im Folgenden näher eingegangen wird. Zusätzlich sind die Hürden für Life Sciences-Unternehmen sehr viel höher als für andere, weniger streng reglementierte Branchen. In diesem Beitrag möchte ich daher kurz die Möglichkeiten, den Innovationsprozess mit Social Media zu öffnen, vorstellen und dabei auf die Life Sciences-Branche insbesondere eingehen.

Innovationsprozess und Produktinnovationszyklus mit Social Media

Im Wesentlichen lässt sich der Innovationsprozess, bei dem Social Media zur Ideenfindung, Markt- und Trendanalyse genutzt werden, in fünf Phasen unterteilen. Zu Beginn (Phase 1) ist es wichtig zu wissen, wonach man sucht. Möchte man Ideen von (potenziellen) Kunden zu einem Produkt, ein komplett neues Produkt entwickeln oder sogar Lösungen zu speziellen Problemen? Hat man diese Suche definiert, ist die Social Media-Auswahl von entscheidender Bedeutung (Phase 2). Sowohl bekannte Social Networks wie Facebook und Co. können passend sein, als auch eigene Plattformen oder die sogenannten Open Innovation Intermediaries. Diese unterstützen an Open Innovation interessierte Unternehmen beim onlinebasierten Innovationsprozess, indem sie u.a. dabei helfen, die richtigen Fragen zu finden und zu stellen und das Community-Management übernehmen. Wichtig ist, dass man diejenige Social Software nutzt, die der Suchanfrage entspricht und von der Zielgruppe, deren Antworten man erhofft, genutzt wird. So nutzt es z.B. einem Pharmaunternehmen freilich wenig, wenn es eine Applikation für Diabetiker entwickeln will und in einem Netzwerk zur Teilnahme aufruft, in dem keine Betroffenen aktiv sind. Sind die passenden Tools für den Open Innovation Prozess ausgewählt und die Community zur Teilnahme motiviert, dauert es nicht lange, bis die ersten Ideen eingehen. An diesem Punkt beginnt die Beobachtung (Phase 3) aller eingesetzten Social Media-Kanäle: Welche Diskussionen entstehen? Welche Ideen werden von anderen besonders bevorzugt? Welche Frage ruft am meisten das Interesse der Community hervor? Aus dieser Beobachtung entstehen wertvolle Daten und Erkenntnisse, die im nächsten Schritt (Phase 4) ausgewertet werden müssen. Am Ende des Innovationsprozesses steht dann die Entwicklung der Produktlösung mit Hilfe der gewonnen Daten (Phase 5). Gleichzeitig beginnt an diesem Punkt erst die zweite Phase im Produktinnovationszyklus: die Testphase. Auch hierbei bieten Social Media attraktive Möglichkeiten, um Testläufe (Beta-Tests) oder Nutzertests online durchzuführen oder Probanden für Tests zu gewinnen. Nach Abschluss der Tests und der letzten Phase, der erfolgreichen Markteinführung, lassen sich Social Media selbstverständlich nicht nur zur Markenkommunikation nutzen. Hier kann der Open Innovation Prozess von vorne beginnen, indem das Nutzerengagement und die Nutzer-Feedbacks genutzt werden, um das Produkt entsprechend der Vorschläge der Community weiterzuentwickeln oder zu verändern.

Innovationen gesucht – Crowdsourcing und Customer-Co-Creation

Wie genau funktionieren nun aber Crowdsourcing und Customer-Co-Creation? Am Anfang steht – wie beim Innovationsprozess beschrieben – die Auswahl der geeigneten Social Media-Plattform. Hierbei ist die Anforderung bzw. die Suchdefinition entscheidend. Soll ein Produkt verbessert, neu oder redesigned werden oder soll eine gänzlich neue Innovation entstehen? Geht es darum, Crowdsourcing zu betreiben, also Kundenideen in die Produktentwicklung einfließen zu lassen, so können Social Media-Plattformen wie Facebook, Twitter und Co. eine kostengünstige und schnelle Lösung sein. Über spezielle Seiten, Microblogs oder eigens für diese Plattformen entwickelte Anwendungen (Apps) können Fragen gestellt, Ideenwettbewerbe durchgeführt und Nutzer Feedbacks eingeholt werden. Wie bereits erwähnt, hängt der Erfolg hierbei unmittelbar von der Wahl des Social Networks ab, denn auch Millionen von Mitgliedern bei Facebook müssen nicht den Nutzern entsprechen, die an der Beantwortung der dort gestellten Fragen Interesse haben. Hierbei können Nischennetzwerke wie z.B. Patientennetzwerke eine durchaus bessere Resonanz erzielen.
Geht es um komplexere Fragen und Aufgaben, die im Prozess der Customer-Co-Creation bearbeitet werden können, kommen Social Networks jedoch schnell an ihre Grenzen. Hier werden speziell programmierte Anwendungen benötigt, die z.B. auf einer firmeneigenen Plattform bereitgestellt werden können. Dem Nutzer können somit spezielle Toolkits zur Verfügung gestellt werden, die zur Umsetzung eigener Kreationen verwendet werden können.

Open Innovation mal anders – Cross-Industry-Innovation

Dass gänzlich neue Innovationen vermehrt jenseits der eigenen Branchengrenzen entstehen, ist eine mittlerweile bekannte Aussage. Cross-Industry-Innovation – die interdisziplinäre Verknüpfung von Produkten, Dienstleistungen und Trends – wird für die Wirtschaft und die Innovationsentwicklung immer bedeutsamer. Je weiter sich Unternehmen nach außen öffnen und nicht nur Kunden, sondern auch andere Unternehmen fremder Branchen in ihren Innovationsprozess mit einbeziehen und je mehr sie sich dafür Web 2.0 Technologien zuwenden, umso schneller lassen sich innovative Projekte umsetzen. Wie ist das nun aber gedacht?
Dass sich Unternehmen vernetzen, um gemeinsam neue Produkte zu entwickeln, ist nicht neu. Dass man dafür Online-Plattformen analog zum Crowdsourcing verwenden kann hingegen schon. Zwar gibt es eine Reihe bekannter onlinebasierter Branchen- und Wissenschaftsnetzwerke, doch ist die Bereitschaft und Onlinekultur von Unternehmen zur Nutzung von Social Media für branchenübergreifende Innovationen noch nicht besonders ausgeprägt. Ein Ansatz wäre, eigene Ideen online mit Vertretern anderer Branchen zu diskutieren, Analogien zu finden und Projekte gemeinsam umzusetzen. Auch spezielle Fragen, die zur Umsetzung einer Idee geklärt werden müssen, können auf diese Art gestellt und beantwortet werden.

Und welche Möglichkeiten gibt es für Life Sciences-Unternehmen?

Für Unternehmen der Life Sciences-Branche bietet das Engagieren im Social Web viele Möglichkeiten, um Informationen und Ideen zu gewinnen, die in den Innovationsprozess einbezogen werden können.
Besonders Nischen- und wissenschaftlich orientierte Netzwerke eignen sich für spezielle Informationsgewinnung und –lieferung. So besteht u.a. die Möglichkeit, Details über die Verwendung und etwaige Nebenwirkungen von Medikamenten zu erfahren, Informationen über neue Wirkstoffe, Zusammensetzungen und Therapien zu erhalten als auch selbst zu klinischen Forschungen und Indikationsgebieten zu informieren.
Da sich Life Sciences-Unternehmen immer mehr auf den Kunden konzentrieren, bietet vor allem die Anwendungsvielfalt des Crowdsourcings – Ideenwettbewerbe, Umfragen etc. – die Chance, die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden genau kennenzulernen und diese in Forschung und Entwicklung zu integrieren.
Besonders das Gesundheitswesen entwickelt sich mehr und mehr weg vom therapieorientierten Ansatz und hin zum gesundheitsbewussten Individuum. Es geht nicht mehr nur um Behandlung, sondern auch um Prävention. Ein neuer Fokus entsteht: die Entwicklung von Gesundheitsmanagementsystemen, die vielfältig und überall einsetzbar sind. Gerade hier zeichnen sich nicht nur die Vorteile bei der Integration der Kunden ab, sondern auch die Ansätze für Cross-Industry-Innovation: mHealth (mobile Health) und eHealth (electronic Health) sind die neuen Schlagwörter – die Verbindung von Gesundheitswesen und Informationstechnologie. Ein Beispiel? Bei der Entwicklung einer Applikation für Diabetiker können über Social Media-Kanäle nicht nur Diabetiker und Menschen mit erhöhtem Risiko in den Entwicklungsprozess mit eingebunden werden, sondern auch Informatiker und in anderen Branchen tätige Personen, wie z.B. der Fitness- und Ernährungsindustrie. Auf diese Weise können aus verschiedensten Bereichen Ideen und Anregungen gewonnen werden, die bei der nutzerorientierten Umsetzung eines neuen Produktes hilfreich sind.

Fazit

Das Web 2.0 hat Unternehmen völlig neue Wege in der Kommunikation mit Privatpersonen als auch Vertretern anderer Branchen eröffnet. Unternehmen, die Social Media nutzen, um zuzuhören, was andere zu ihren Produkten oder für sie relevante Themen sagen, profitieren von dem unbeeinflussten Umfeld und den unverfälschten Meinungsäußerungen. Über Social Media-Kanäle können eine Vielzahl von Informationen auf unaufdringliche Art und Weise gewonnen werden und ein tieferes Verständnis für den Kunden und dessen Wünsche entstehen. Gleichzeitig können die Kunden in eigene Überlegungen integriert werden, erste Ideen identifiziert und die besten daraus ausgewählt werden. Open Innovation mit Hilfe von Social Media kann dazu beitragen, völlig neue Anwendungsfelder für Produktentwicklungen zu finden und Feedback in einem sehr frühen Stadium zu erhalten.
Jedoch ist Open Innovation kein „Tool“, welches in ein Unternehmen integriert werden kann. Open Innovation ist vielmehr ein vollständiges Konzept, welches in der Innovationskultur des Unternehmens verankert sein muss. Hinzukommt, dass beim Einsatz von Social Media auch eine ausgeprägte Onlinekultur im Unternehmen herrschen sollte, damit diese Kanäle erfolgreich gesteuert und die Ideen gewinnbringend verwertet werden können.
Besonders Life Sciences-Unternehmen sind zusätzlich mit strengen rechtlichen Regelungen konfrontiert, die die direkte Kommunikation mit dem Kunden erschweren. Deshalb sollten insbesondere Pharmaunternehmen bei ihrer Interaktion im Social Web mit ihrer Rechtsabteilung, dem medizinisch-wissenschaftlichen Dienst und dem Marketing zusammenarbeiten. Festzuhalten bleibt, dass die Schlüsselelemente für eine neue Life Sciences Forschung und Entwicklung neue Arbeitsformen und eine Kultur der externen Zusammenarbeit sind. Hierbei können Web 2.0 Technologien ein entscheidender Faktor sein.

Zusammenfassung des Vortrags „Web 2.0 für die Life Sciences-Branche – Ideenfindung und Partnerakquise mit Hilfe von Social Media“ auf dem 13. FORUM Kommunikation der HessenChemie am 06. April 2011 bei Mundipharma in Limburg an der Lahn.

Weder strahlender Sonnenschein noch die Auswirkungen des Lokführer-Warnstreiks hielten mich und andere Interessierte aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens letztendlich davon ab, auf dem diesjährigen Healthcaretag den Experten und ihren Vorträgen zu folgen und sich mit ihnen auszutauschen. Da das FIZ Unternehmen der Life Sciences-Branche als Mieter zählt und auch als Plattform für innovative Projekte steht, war für mich ohne zu zögern klar, mich im Rahmen des Healthcaretags up-to-date zu halten. Ganz im Zeichen des Dachthemas zeitgemäßer E-Health-Lösungen für mehr Qualität, Patientensicherheit und Effizienz sprachen die Referenten über Identifikations- und Dokumentationsmöglichkeiten anhand innovativer Technologien, beispielsweise für die lückenlose Verfolgung eines Implantats anhand von Barcodes.

Healthcaretag 2011 in Frankfurt am Main Das Organisationskomitee, bestehend aus der IHK Innovationsberatung Hessen, der Hessen Agentur GmbH und dem European Health Industry Business Communication Council Deutschland, lud am 22. Februar 2011 in die Räumlichkeiten der IHK Frankfurt am Main ein, in das schöne Gebäude der Börse Frankfurt. Für mich war vor allem interessant, welche Ansichten und Tendenzen sich im Rahmen der Gespräche abzeichnen und erkennen lassen – gerade weil die Verbindung von Gesundheit und modernen Technologien eine spannende Kombination ist.

Vor noch nicht vollständiger Runde, es waren wohl ein paar Teilnehmer nichtsdestotrotz Opfer der Verkehrslage geworden, trat Matthias Gräßle (Hauptgeschäftsführer der IHK Frankfurt am Main) hinter das Rednerpult und betonte in seiner Eröffnungsrede, dass es wichtig sei, innovative Konzepte zu entwerfen, die im Rahmen der heutigen Gesundheitssysteme finanzierbar sind und gleichzeitig eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung sicherstellen. Potenzial böten vor allem die neuen Technologien der IT- und Kommunikationsbranche. Weiter sollte größter Wert auf eine branchenübergreifende Vernetzung gelegt werden und ebenso auf die persönliche Kommunikation zwischen Arzt und Patient – neben der Unterstützung durch E-Health-Anwendungen. Letztere, so Axel Henkel (Abteilungsleiter für Außenwirtschaft/Technologie des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung), helfen, räumliche Grenzen zu überwinden. So gibt es bereits Pilotprojekte, in denen Ärzte Informationen über bestimmte Systeme austauschen können, samt verifizierter elektronischer Signatur.

Bei reichlich Kaffee, Kaltgetränken und Gebäck in den Kaffeepausen sowie später mit Kartoffelsuppe und belegten Brötchen in der Mittagspause, bot sich die Gelegenheit, mit den Experten selbst ins Gespräch zu kommen und untereinander zu netzwerken.

Zwischen den Zeilen konnte ich erkennen, dass Transparenz im Rahmen der Einführung und Anwendung moderner Technologien eine herausragende Rolle spiele und die Basis für alles weitere Vorgehen sei. Eine Herausforderung im Innovationsprozess sei die Schnittstellenproblematik. Die Offenheit gegenüber Innovationen und der Mut zur Zusammenarbeit müsse gesteigert werden, damit das Argument „Das haben wir immer schon so gemacht, wieso sollten wir es anders machen“ entkräftet werden könne und die Anwender sinnvoll an Ideen herangeführt werden. Kooperation zwischen Unternehmern – aus Forschung, Industrie und Dienstleistung – sei eine Chance zur Weiterentwicklung. Die Kombination von Wissen führe zum Erfolg und es müsse die Angst davor genommen werden, dass sich Kooperationen nachteilig für Unternehmen auswirken. Wenn Unternehmen außerdem bei den Anwendern nachfragen, wie ihr Arbeitsalltag aussieht und was sie sich wünschen würden, kann vermieden werden, dass Unternehmen Programme oder Produkte entwerfen, die anschließend nicht akzeptiert werden und ungenutzt bleiben.

Aber nicht nur eine verbesserte externe Kommunikation sei essenziell, sondern auch die internen Abteilungen eines Unternehmens müssten miteinander kommunizieren, um innovative Produkte und Projekte erfolgreich und zur Zufriedenheit aller Beteiligten umzusetzen.

Für mich steht fest, dass die Veranstalter es geschafft haben, mit abwechslungsreichen Referenten Einblicke in aktuelle Trends im Gesundheitswesen zu geben, die es wert sind, sie zu verfolgen. Als Fazit kann ich sagen, dass die in der Diskussionsrunde zitierte Aussage Helmut Schmidts („Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“) für mich eine ganz andere Bedeutung bekommen hat. Denn im Gesundheitswesen existiert Potential für Visionen als wichtiger Bestandteil des Fortschritts und es lohnt sich trotz aller bestehenden Hürden an Ideen festzuhalten und zu versuchen, sie Realität werden zu lassen. Außerdem denke ich, dass Kooperationen der Institutionen untereinander immer wichtiger für zukünftige Unternehmenserfolge werden und der Kunde/Patient mit seinen Bedürfnissen unbedingt in die Entwicklungen einbezogen werden sollte.

Weiterführende Informationen zum Healthcaretag 2011 und seinen Referenten bietet die Veranstalter-Website der Gesundheitswirtschaft Rhein-Main e.V.

Den passenden Abschluss zum FIZ Life Sciences Forum 2010 und unserem Blogbeitrag hierzu bietet ein neu entstandener Film. Mit diesem können Sie auch viele neue Eindrücke aus dem FIZ gewinnen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Ansehen und freuen uns natürlich sehr über Ihr Feedback!

Film zum FIZ Life Sciences Forum 2010

Auf den ersten Blick…
Bei dem FIZ-Innenhof ist es so ähnlich wie bei den Innenhofgärten, die plötzlich erscheinen, wenn man um die Ecke eines Hauses biegt oder verwinkelte Gänge lang läuft. So ging es mir, als ich seiner zum ersten Mal gewahr wurde. Von außen hätte man nie erwartet, dass sich hinter einem recht neutralen Gebäude eine kleine Oase versteckt. Hat man sie dann einmal entdeckt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Gerade dann, wenn sie zum FIZ-Alltag gehören, wie der FIZ-Innenhof.

Ende Oktober…
In der Wasserfläche spiegelt sich das LabRestaurant, in dessen Fenstern wiederum leicht verzerrt das Spiegelbild der Schönwetterwolken und umliegenden Gebäude zu sehen ist. Beim Durchqueren klingt das Holz unter den Fußsohlen angenehm und neben mir rascheln die hohen Gräser leise im Wind. Die Bäume und Sträucher zeigen ihr schönstes Herbstlaub und sind Farbkleckse im Innenhof.

Ende November…
Gegen 9 Uhr fallen die ersten Flocken. Um die Mittagszeit liegt schon die erste dünne Schneeschicht auf dem Boden und den Blättern der Pflanzen. Um 17 Uhr kann man schon von starkem Schneetreiben sprechen und der Innenhof wirkt nicht mehr nur leicht gepudert sondern erinnert, mit zugefrorenem Teich und schneeverhangenen Gebäuden, an ein Winterwunderland. Die etwas erhöhten Pflanzenbeete geben der Ansicht Struktur und auch die Gräser bilden einen schönen Rahmen.

Der FIZ Innenhof verschneit im Winter

Diese persönlichen Eindrücke waren der Anstoß, näher nachzufragen. Nach den Ideen hinter der Gestaltung.
Aus diesem Grund stellten wir Herrn Andreas Guddat, Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, einige Fragen und bekamen interessante Hintergrundinformationen zu etwas, was weit mehr ist als nur eine Grünfläche in der Mitte des Gebäudekomplexes.

Wie war Ihre Herangehensweise bei der Gestaltung des FIZ Innenhof?

„In der Entwurfsphase haben mein Team und ich uns davon leiten lassen, einen grünen Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität für die Mitarbeiter und Besucher des FIZ zu entwickeln. Die Raumwirkung des Innenhofs mit seinen Laubengängen ist vergleichbar mit der Abgeschlossenheit eines Atriums. In gewisser Weise ein „Freiraum -Labor“ Dies fördert, wie auch tatsächlich zu beobachten ist, eine kommunikative Begegnung.

Der Innenhof des FIZ als Baustelle

Die Gestaltung, Material-, und Pflanzenauswahl steht bewusst im Kontrast zur sachlichen Architektur der Gebäudemodule und des technoiden Multifunktionszentrums mit seiner Glasfassade. So entsteht eine unbewusst wahrnehmbare Spannung. Die Doppelhelix – Stahlskulptur fügt sich ideal in die Grünanlagen mit dem Wasserbecken ein, und spiegelt sich in den Glasfassaden und der Wasseroberfläche.“

Hatten Sie eine bestimmte Inspiration? An was haben Sie sich gehalten?

„Amöben mit ihren amorphen, zellförmigen Formen, erlebbar durch CorTenStahl – Elemente in verschiedenen Höhenlagen, Wasser als ein Grundelement allen Lebens realisiert als Quellbecken mit Fontänen und einem Flachwasserbecken sind wesentlicher Bestandteil der Gestaltung.

Die verbindenden Holzstege als Promenaden oder Gartenwege können als Analogien für die Netzwerke einer innovativen Forschungslandschaft verstanden werden. Auch die platzierten Würgefeigenstämme in den Zwischenhöfen mit ihren auffälligen Formen nehmen Bezug auf biogene, zellähnliche Strukturen.“

Die Pflanzen im FIZ-Innenhof

Sind die Pflanzen nach einem gewissen Prinzip ausgesucht worden? Haben sie eine „Bedeutung“ oder wurde nach rein praktischen Kriterien ausgewählt?

„Die Pflanzenauswahl nimmt Bezug auf die Architektur und berücksichtigt die anspruchsvollen Standortbedingungen. Unter dem Innenhof befindet sich bekanntlich eine Tiefgarage. Auch das Kleinklima und die Exposition zum Stand der Sonneneinstrahlung wurden im Sinne einer guten Pflanzenentwicklung beachtet.
Die Bäume, Sträucher, Stauden, Gräser und Wasserpflanzen sollen zu jeder Jahreszeit durch Habitus, Blattformen und Blühaspekte Aufmerksamkeit erzeugen. Weiterhin wurden Kriterien der kostengünstigen Unterhaltspflege, Sicherheitsaspekte wie Brandschutzauflagen und die Zugänglichkeit bei Reinigungsarbeiten an den Gebäudefassaden berücksichtigt.“

Gab es frühere Ideen? Wenn ja, warum wurden Sie verworfen und sich für die jetzt bestehende Variante entschieden?

„Ja sicher. In der Entwurfsphase wurde zunächst in Abstimmung mit der Architekturplanung und dem Bauherren die Grundidee des zentralen Amöbenparks mit den angrenzenden Themenhöfen entwickelt. In den Themenhöfen sollten typische Pflanzenvertreter nach der botanischen Systematik und Klimazonen zusammengefasst werden. Ein möglicher Bezug des Ortes zur Genforschung sollte sich durchgängig in der Gestaltung der Betonplattenwege wiederfinden. Dies konnte dann leider nur teilweise durch Basaltpflasterbänder in den Gehwegen der Themenhöfe realisiert werden.

Die in einer Reihe angepflanzten Bäume wurden anfangs bewusst in einem Winkel von 35° schräg gepflanzt, um dadurch eine besondere Aufmerksamkeit zu erzeugen. Unsere Überlegung war, dass Forschung & Entwicklung i.d.R. auch nie gradlinig verläuft. Dies führte jedoch zu erheblichen Irritationen, so dass die die Bäume wieder gerade gestellt wurden. Schade, aber so ist das nun mal. Bäume müssen gerade stehen.“

Kooperationen für ganzheitliche Gesundheitskonzepte und die personalisierte Medizin sind die maßgeblichen Entwicklungen, um die Innovationsfähigkeit der Gesundheitswirtschaft zu erhalten. Darüber waren sich die hochrangigen Vertreter aus Industrie und Mittelstand auf dem gestern veranstalteten 2. FIZ Life Sciences Forum in Frankfurt am Main einig. Über 70 Teilnehmer diskutierten übergreifende Kooperationen und Geschäftsmodelle, um Innovationslücken zu schließen und die Chancen neuer Strategien zu nutzen.

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier eröffnete die Konferenz: „Wir sehen uns mit der Situation konfrontiert, dass der Wandel und die Innovation von vielen als Risiko und nicht als Chance angesehen werden. Damit Innovationen in der Gesundheitswirtschaft weiterhin ein Schlüssel für Wachstum und Arbeitsplätze sind, sichert das Land Hessen der Branche die politische Unterstützung zu. Ich möchte die Gesundheitswirtschaft als Partner haben, um Innovationen auf den Weg zu bringen.“

Im internationalen Vergleich ist die Gesundheitswirtschaft in Deutschland – insbesondere in Hessen mit rund 345.000 Beschäftigten und Selbstständigen sowie 45 Mrd. Euro Umsatz – sehr gut aufgestellt. Keine Branche investiert pro Mitarbeiter mehr in Forschung und Entwicklung als die Life Sciences-Branche. „Damit das so bleibt, müssen die Rahmenbedingungen planbar sein und interdisziplinäre Kooperationen verstärkt eingegangen werden“, sagt Andreas Wiegand, Vorstandsmitglied des vfa – Verband der forschenden Pharma-Unternehmen.

Hessischer Ministerpräsident Volker Bouffier auf dem 2. FIZ Life Sciences Forum

Merck Serono hat die Bandbreite für Kollaborationsmodelle in den vergangenen Jahren stark erweitert. „Selbst die Großen sind nicht mehr in der Lage, ihre Innovationsansätze allein zu meistern“, unterstreicht Dr. Bernhard Kirschbaum, Forschungsleiter bei Merck Serono. Als Beispiel führt er aus, dass Biotech-Unternehmen entscheidend zur Medikamentenentwicklung beitragen, aber die Industrie nach wie vor ein wesentlicher Partner sei, um die Arzneimittel letztendlich auf den Markt zu bringen.
Nicht nur die staatlichen Gesundheitssysteme stellen neue Anforderungen an die Life Sciences-Branche, auch die Patienten und Gesundheitskonsumenten. Hintergrund sind neue Lebensstile und ein neues Gesundheitsverständnis. Manuela Müller-Gerndt, Leiterin Healthcare bei IBM Deutschland, betont die Bedeutung neuer Denk- und Geschäftsmodelle in der Gesundheitsversorgung: „Wenn wir das Management von Gesundheitsleistungen zu geringeren Kosten produzieren wollen, müssen wir neue Denkmodelle finden, die bestehende Lösungen nicht ergänzen, sondern ersetzen.“

Jahrzehntelang haben sich Pharmaunternehmen auf die Entwicklung neuer Präparate konzentriert und weniger auf sämtliche Prozesse zur Verbesserung des Patientennutzens. „Die auf hoch spezialisierte Einzeltechnologien aufbauenden Geschäftsmodelle zeigen eine unzureichende Innovationskraft. Prävention, personalisierte Therapien sowie aktive und informierte Patienten, die verstärkt gesundheitsbezogene Daten nachfragen, gewinnen an Bedeutung“, erläutert Dr. Christian Garbe, Geschäftsführer des FIZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie.

Diskussionsrunde auf dem 2. FIZ Life Sciences Forum

Als wesentliches Element für personalisierte Ansätze identifizierte das Start-up-
Unternehmen bio.logis, Träger des Gründerpreises der Stadt Frankfurt am Main, den erhöhten Bedarf der Informationsaufbereitung genetischer Daten für Privatkunden, Patienten und Ärzte. „Die drastisch sinkenden Kosten für Genanalysen werden den Gesundheitsmarkt verändern. Alle die daran interessiert sind, werden künftig medizinische Hinweise auf Basis einer Gendiagnostik erhalten können“, sagt Prof. Dr. Daniela Steinberger, Fachärztin für Humangenetik, Gründerin und medizinische Leiterin von bio.logis.

Der Bedarf nach neuen Therapieansätzen prägt den im Wandel stehenden Pharmamarkt und stellt auch neue Anforderungen an den Arbeitsmarkt. Martin Scholich, Vorstandsmitglied der PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (PwC) prognostiziert, „dass bis 2030 rund eine Million Fachkräfte in der Gesundheitswirtschaft fehlen werden. Die Branche muss an Konzepten arbeiten, um den Mangel zu verringern.“
Erstmals ist ein Praxisleitfaden für Employer Branding vorgestellt worden. Der Leitfaden wurde vom FIZ gemeinsam mit der Deutschen Employer Branding Akademie (DEBA) entwickelt, um dem Fach- und Führungskräftemangel und dem teilweise negativen Image der Life Sciences-Branche zu begegnen.

Eine Untersuchung der DEBA von 250 Personalanzeigen zeigt, dass die Botschaften und Inhalte der Arbeitgeberauftritte weitgehend austauschbar sind. Wolf Reiner Kriegler, Geschäftsführer der DEBA, und Gesche Hugger von Orthomol, zeigten, wie sich Arbeitgeber mit ihrer Marke erfolgreich positionieren können, um motivierte und innovationsbereite Mitarbeiter zu gewinnen. „Wichtig ist die Markenpositionierung nicht nur aus Sicht des Wettbewerbs, sondern auch von innen heraus, aus der Perspektive des eigenen Unternehmens, beziehungsweise der Mitarbeiter“, so Gesche Hugger, Leiterin Personal und Unternehmenskultur von Orthomol.

Der original Pressebericht zum 2. FIZ Life Sciences Forum ist online unter www.fiz-biotech.de

Jahrzehntelang haben sich Pharmaunternehmen auf die Entwicklung neuer Präparate und den Arzneimittelvertrieb konzentriert. Doch nun wird das bewährte Geschäftsmodell in absehbarer Zeit zum Auslaufmodell.

Vor dem Hintergrund der stand-alone unzureichenden Innovationskraft vieler Pharmaunternehmen sowie angesichts des wachsenden Reformdrucks werden zukünftig übergreifende Kooperationen, Prävention sowie am Behandlungserfolg orientierte Vergütungen verstärkt von Bedeutung sein.

Erfolgreiche Kooperationsmodelle der Pharmaindustrie können neben Biotechunternehmen, Forschungs-, Produktions- und Vermarktungsdienstleistern sowie akademischen Einrichtungen zukünftig auch Kliniken, Ärzte und Versicherungen mit einschließen. Eine mögliche Strategie ist hier die Bildung von Netzwerken aus selbstständigen Institutionen oder die Bildung von virtuellen Kollaborationsformen.

Eine Alternative zum Netzwerk-Modell ist die Ausdehnung der Geschäftsaktivitäten aus eigener Kraft. So gibt es beispielsweise Arzneimittelhersteller, die auch in Bereichen wie Diagnostik und Medizintechnik aktiv sind. Diese Unternehmen betreiben u.a. Präventions- und Ratgeber-Portale zu verschiedenen Gesundheitsthemen im Internet. Jedoch ist der Aufbau eines diversifizierten Gesundheitskonzerns sehr kapitalintensiv.

Referent: Dr. Volker Fitzner, PricewaterhouseCoopers, spricht am 28.10.2010 auf dem FIZ Life Sciences Forum

Die Studie “Pharma 2020″ von PwC ist hier online zum Download verfügbar.